Erhebungen im Wald

Um eine solide Datengrundlage zu den Waldstandorten in Österreich zu schaffen, werden im Zuge von FORSITE Erhebungen im Wald durchgeführt. Das Ziel der Erhebungen ist, eine umfassende standorstkundlich-waldbauliche Charakterisierung der Waldstandorte Österreichs zu erstellen. Aufbauend auf diese Grundlagendaten wurden in FORSITE alle weiteren Modellierungsschritte durchgeführt. Dabei werden im Wald verschiedene Datengruppen erhoben.

Die allgemeinen Standortsdaten umfassen eine Vielzahl von Parametern. Dazu gehören beispielsweise die klassische Ansprache der genauen Koordinaten - also der geographischen Lage, der Seehöhe, des Reliefs (Oberhang, Mittelhang, Unterhang, etc.), der Exposition (Nord, Süd, West, etc.), der Hangneigung (in Prozent) oder des Lokalklimas am Waldstandort. 
Darüber hinaus wird die Geologie laut geologischer Karte in Kombination mit dem Geländebefund angesprochen. Das mündet in die Ausscheidung des geologischen Substrattyps auf dem Waldstandort. Jener unterscheidet, ob das geologische Substrat auf einem Waldstandort (A) eine klassische Deckschicht ist, also eine durch Wind, Wasser oder Gletscher verfrachtete Gesteinsschicht ist, oder (B) eine Festgesteins-Verwitterungsschicht darstellt, also aus anstehenden Gesteinen (z.B. Gneise, Schiefer, Kalke, Dolomite) entstanden ist. 
Weiters wird angesprochen, welchem chemischen Substrattyp ein geologisches Substrat zugeordnet werden kann, also ob es sich beispielsweise um ein karbonatisches, silikatisch saures oder etwa silikatisch basenreiches Substrat handelt. Diese Ansprache erfolgt mittels Zusammenschau der Informationen über die Geologie mit den Zeigerwerten der Bodenvegetation. 

Der Waldboden wird im Projekt FORSITE mittels Profilgrube angesprochen und horizontiert. Dafür wird am zu untersuchenden Waldstandort eine 80 cm tiefe Profilgrube ausgehoben. Diese dient der Ansprache der Humus- und Mineralbodenhorizonte. Die Profilgrube ermöglicht die Ansprache des Skelettanteils im Boden, der Bodenart mittels Fingerprobe und der Intensität der Durchwurzelung. Zusätzlich werden die Bodenfarbe mittels Anwendung einer Farbskala und weitere Bodenparameter wie etwa Konkretionen oder Verfärbungen durch Vergleyung oder Pseudovergleyung angesprochen. Skelettgehalt und Durchwurzelung können nur in einer Profilgrube exakt erhoben werden. Die Bodengründigkeit wird mittels zusätzlichen Schlagbohrereinschlag in der Profilgrube angesprochen. Die Analyse des Waldbodens mündet schließlich in der Ausscheidung des Bodentyps und der Humusform. 
Auf ausgesuchten Waldstandorten werden aus den Profilgruben Bodenproben geworben, um nachfolgend für Laboranalysen verwendet zu werden.

Der aktuell stockende Waldbestand wird auf den Erhebungsflächen in zweifacher Hinsicht erhoben. Auf der Fläche der (I) Baumstichprobe, deren Größe je nach vorhandenem Baumbestand zwischen 10 x 10 m und 20 x 20 m variiert, werden die stockenden Bäume genau aufgemessen. Dabei werden die Baumart, der BHD (Brusthöhendurchmesser), die Wuchshöhe, die soziologische Stellung, die Kronenlänge, die Vitalität und etwaige Schäden für jeden Baum erhoben. Das Alter der Oberhöhenstämme wird mittels Bohrkern-Analyse bestimmt. Dazu werden die Bohrkerne im Wald gewonnen und nachfolgend im Labor analysiert.  
Auf der Fläche von 50 x 50 m werden die (II) Bestandesdaten erhoben. Diese Flächengröße ermöglicht es, den Waldbestand in seiner Gesamtheit besser zu charakterisieren. Es werden auf der Bestandesfläche die Baumart, ihr aktuelles Vorkommen (Dominanz-Attribute sowie Vorkommen in Oberschicht, Mittelschicht, Unterschicht oder Kraut- und Strauchschicht) und ihr Entwicklungspotenzial angesprochen. Das Entwicklungspotenzial gibt an, ob eine Baumart im Waldbestand zunehmen, abnehmen oder sich gleichbleibend entwickeln wird. Weitere Erhebungskategorien beziehen sich beispielsweise auf Kronenschlußgrad, Altersstruktur, Mischungsform und Naturnähe des Waldbestands.

Die Bodenvegetation und der Baumbestand werden auf der Fläche der Baumstichprobe nach der Methode von Braun-Blanquet erhoben. Dabei ist es von Bedeutung, dass die Arten der Bodenvegetation inklusive der Moosarten bestimmt und bezüglich ihrer Abundanzwerte (das ist ihre Auftretens-Häufigkeit am Standort) angesprochen werden. Auch der Baum- und Strauchbestand wird, differenziert in drei Baumschichten, Strauchschicht und Krautschicht nach dieser Methode beschrieben. Die Arten der Bodenvegetation sind bezüglich ihrer Zeigerwerte ein wesentlicher Bestandteil der standortskundlichen Erhebungen im Wald. 
Aus den Vegetationsdaten werden nachfolgend die „Wald-Vegetations-Zone“ (früher Höhenstufe), die Waldgruppe und die Parameter „Wasserhaushaltsstufe“ und „Basenklasse“ für den Waldstandort abgeleitet. Es erfolgt daher die Ansprache aller drei Achsen des Standortsmodells. Der analysierte Waldstandort wird dadurch bereits bei den Erhebungen im Wald bezüglich des vorliegenden Waldtyps zugeordnet. Die Bestimmung des Waldtyps im Gelände macht Sinn, weil dadurch alle verfügbaren Standortsparameter in die Zuordnung einfließen können.